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Sandkolik: Eine unterschätzte Gefahr in trockenen Sommern

  • Autorenbild: Andrea Fischer
    Andrea Fischer
  • vor 8 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Die Weide ist braun, das Gras knapp und jedes grüne Hälmchen wird bis zur Wurzel abgefressen. Was viele Pferdehalter in trockenen Sommern kaum beachten: Mit jedem Bissen gelangt auch etwas Sand in den Verdauungstrakt. Meist bleibt das folgenlos – manchmal entwickelt sich daraus jedoch eine lebensbedrohliche Sandkolik. Gerade in langen Hitze- und Trockenperioden lohnt es sich deshalb, genauer hinzusehen.


Pferd wälzt sich auf der Erde und könnte eine Sandkolik haben
Foto: Adobe Stock

Die anhaltende Trockenheit stellt Pferdehalterinnen und Pferdehalter vor zahlreiche Herausforderungen. Während vielerorts das Gras auf den Weiden knapp wird, suchen Pferde instinktiv nach jedem verbliebenen Halm. Dabei nehmen sie unweigerlich Erde und Sand auf. Auf sandigen Weiden oder Paddocks kann sich diese Aufnahme über Tage oder Wochen summieren – mit möglicherweise gravierenden Folgen für die Gesundheit des Pferdes.


Wenn Sand zum Problem wird

Kleine Mengen Sand gelangen bei nahezu jedem Pferd in den Verdauungstrakt. Normalerweise werden sie problemlos wieder ausgeschieden. Kritisch wird es jedoch, wenn über längere Zeit mehr Sand aufgenommen als ausgeschieden wird. Die feinen Partikel setzen sich vor allem im Dickdarm ab und können dort die Darmschleimhaut reizen, Entzündungen verursachen und die Darmbewegung beeinträchtigen.

Im schlimmsten Fall führt die Ansammlung zu einer Sandkolik oder sogar zu einem Darmverschluss, der eine Operation erforderlich machen kann.


Warum Trockenheit das Risiko erhöht

Während trockener Sommer kommen gleich mehrere Risikofaktoren zusammen.

Abgefressene Weiden zwingen Pferde dazu, die letzten Grashalme direkt am Boden aufzunehmen. Besonders auf sandigen Böden oder in Ausläufen mit wenig Bewuchs gelangt dabei deutlich mehr Erde ins Maul. Hinzu kommt, dass trockenes Heu, welches direkt auf sandigem Untergrund gefüttert wird, ebenfalls leicht mit Sand verunreinigt wird.

Auch längere Fresspausen können das Risiko erhöhen. Hungrige Pferde fressen hastiger und suchen intensiver nach jedem Futterrest. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass grössere Mengen Sand aufgenommen werden.


Die Symptome entwickeln sich oft schleichend

Eine Sandkolik beginnt häufig nicht mit dramatischen Kolikerscheinungen. Viele Pferde zeigen zunächst eher unspezifische Symptome, weshalb die Ursache oft lange unentdeckt bleibt.

Mögliche Anzeichen sind:

  • wiederkehrende leichte Koliken

  • verminderter Appetit

  • wechselnde Kotkonsistenz oder Durchfall

  • Gewichtsverlust

  • Mattigkeit

  • verminderte Leistungsbereitschaft

Erst wenn sich grössere Mengen Sand angesammelt haben, treten häufig stärkere Koliksymptome wie Scharren, Wälzen oder Unruhe auf. Zeigt ein Pferd solche Anzeichen, sollte umgehend eine Tierärztin oder ein Tierarzt verständigt werden.


Vorbeugen ist einfacher als behandeln

Die gute Nachricht: Mit einigen einfachen Massnahmen lässt sich das Risiko deutlich reduzieren. Eine wichtige Rolle spielt das Weidemanagement. Pferde sollten möglichst nicht bis auf den letzten Halm abgrasen müssen. Wo dies nicht mehr möglich ist, kann zusätzliches Raufutter helfen, den Futterdruck auf der Weide zu verringern.

Ebenso wichtig ist ein sauberer Futterplatz. Heu sollte möglichst nicht direkt auf sandigem Boden verfüttert werden. Heuraufen, Futtermatten oder befestigte Fressplätze verhindern, dass beim Fressen unnötig Sand aufgenommen wird.

Auch eine möglichst kontinuierliche Versorgung mit Raufutter wirkt vorbeugend. Lange Fresspausen erhöhen nicht nur das Risiko für Magengeschwüre, sondern können auch die Sandaufnahme fördern.


Flohsamenschalen – Wundermittel oder sinnvolle Unterstützung?

Viele Pferdehalter setzen vorbeugend auf Flohsamenschalen. Tatsächlich können diese aufgrund ihrer quellenden Eigenschaften dazu beitragen, im Darm befindlichen Sand besser auszuscheiden. Allerdings ersetzen Flohsamenschalen weder ein gutes Haltungsmanagement noch eine tierärztliche Behandlung. Besteht der Verdacht auf eine Sandkolik, sollte immer zuerst eine tierärztliche Untersuchung erfolgen. Ob und in welcher Form Flohsamenschalen eingesetzt werden, sollte im Einzelfall mit der behandelnden Tierärztin oder dem Tierarzt besprochen werden.


Aufmerksamkeit zahlt sich aus

Nicht jede Kolik wird durch Sand verursacht, und nicht jedes Pferd auf einer sandigen Weide entwickelt automatisch eine Sandkolik. Dennoch lohnt es sich gerade während längerer Trockenperioden, das Risiko im Auge zu behalten.

Wer abgefressene Weiden frühzeitig entlastet, ausreichend Raufutter bereitstellt und auf saubere Futterplätze achtet, kann viel zur Vorbeugung beitragen. Denn oft sind es kleine Veränderungen im Stallalltag, die verhindern, dass aus ein paar Sandkörnern ein ernsthaftes Gesundheitsproblem wird.


Sandkolik vorbeugen – fünf einfache Tipps

✓ Weiden nicht vollständig abgrasen lassen.

✓ Heu möglichst aus Raufen, Heunetzen oder auf befestigten Fressplätzen anbieten.

✓ Lange Fresspausen vermeiden und ausreichend Raufutter bereitstellen.

✓ Sandige Paddocks regelmässig kontrollieren und Futterreste entfernen.

✓ Bei wiederkehrenden leichten Koliken oder Verdacht frühzeitig die Tierärztin oder den Tierarzt kontaktieren.

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