Ab auf die Wiese – Tipps für den Zaunbau
- Andrea Fischer

- vor 3 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Der Frühling ist da und mit ihm die Weidesaison. Bevor unsere Pferde wieder ihre Freiheit auf der Wiese geniessen dürfen, gilt es, die Weidezäune in Schuss zu bringen. Es gibt einiges zu beachten, damit die Koppel ausreichend gesichert ist.

Die meisten Pferdebesitzer bringen ihre Tiere in einem Pensionsstall unter und können die Verantwortung an den Stallbetreiber abtreten. Doch gerade in Sachen Sicherheit sollte man auch als Pensionär die Augen offen halten. Weidezäune werden gerne vernachlässigt, dabei sind sie nach aussen die Visitenkarte eines Betriebs. Ist man auf der Suche nach einem neuen Stall, sind die Weiden oft ein wichtiges Kriterium für oder gegen einen Pensionsvertrag.
Die Prüfung folgender Punkte ist empfehlenswert:
Sind die Wiesen gepflegt und werden regelmässig «abgebollt»?
Wie lange dauert die Weidesaison?
Wie lange pro Tag wird geweidet?
Wie viel Fläche steht welcher Anzahl Pferde gegenüber?
Stehen für längere Weideaufenthalte Schattenspender wie Bäume oder Unterstände sowie natürlich Wasser zur Verfügung?
Sind die Weidezäune genügend gesichert, um ein Ausbrechen oder ein Eindringen von Wildtieren oder Hunden zu verhindern?
Die Höhe des Zauns ist ein entscheidender Punkt und richtet sich nach verschiedenen Faktoren wie Risiko und Widerristhöhe der Weidepferde. Laut Empfehlung des Schweizer Nationalgestüts und Agroscope gibt es drei Risikobereiche:
Risikobereich 1
In Hofnähe, gut kontrollierbar, homogene Gruppe oder gewohnte Einzeltiere.
Risikobereich 2
Nicht in Hofnähe, entlang von Spazier- oder Reitwegen, Einzelboxenpferde im Gruppenweidegang oder nur stundenweiser Weidegang von in Gruppen gehaltenen Pferden.
Risikobereich 3
Nähe von Autobahnen, Flugplätzen etc., Hengstweiden in der Nähe von Stuten, regelmässig ausbrechende Springpferde und sonstige «Spezialfälle».
Als Berechnungsgrundlage für die Zaunhöhe gilt die Höhe des Widerrists des grössten Pferdes mal Faktor 0,8 für Risikobereich 1, Faktor 0,9 für Risikobereich 2 und Faktor 1 für die höchste Risikostufe. Befinden sich die Weiden in der höchsten Risikostufe und werden Pferde über 150 cm darauf geweidet, sollte der Zaun generell eine Höhe von 180 cm aufweisen.
Die Anzahl Querlatten richtet sich nach der Zaunhöhe. Während für Zaunhöhen von 120 bis 140 cm nur zwei Querlatten empfohlen werden, sollten bei 150 bis 180 cm drei beziehungsweise vier Querlatten eingeplant werden. Gemäss der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) sollten die Querlatten oder Bänder mit einem maximalen Abstand von 40 cm befestigt und gut sichtbar sein.
Dabei richtet sich die unterste Latte nach der Widerristhöhe des kleinsten Pferdes beziehungsweise Ponys in der Gruppe und liegt bei 40 bis 50 cm für Kleinpferde und 50 bis 60 cm für Grosspferde.

Darf ich einfach so einen Zaun errichten?
Die Antwort ist nein. Gemäss eidgenössischem Raumplanungsrecht unterstehen sämtliche Bauten und Anlagen – auch Weidezäune, die dauerhaft stehen bleiben – einer Bewilligungspflicht. Erster Ansprechpartner ist die Gemeinde.
Ein allfälliger Negativentscheid könnte im Zusammenhang mit Natur- und Gewässerschutzzonen oder mit Landschafts-, Ortsbild- oder Denkmalschutz stehen. Doch die Kantone haben unterschiedliche Bauverordnungen. Während im Kanton Aargau – sofern keine Schutzzone tangiert wird – für Weidezäune bis 150 cm keine Baubewilligung nötig ist, verfolgt der Kanton Zürich eine andere Strategie. Dort ist es dringend empfohlen, sich vor dem Zaunbau bei den Behörden zu informieren.
So dürfen beispielsweise nur Holzpfosten mit einer maximalen Höhe von 160 cm in Naturfarbe (nicht weiss) sowie Elektrobänder oder -kordeln in dunklen Farben (grau, braun oder schwarz) verwendet werden. Alle wichtigen Informationen findet man im Merkblatt «Einzäunung ausserhalb der Bauzonen für die zonenkonforme landwirtschaftliche Tierhaltung» der Baudirektion des Kantons Zürich.
Dieses Beispiel zeigt, dass man gut beraten ist, sich mit der Gemeinde in Verbindung zu setzen, bevor der erste Pfosten in den Boden gerammt wird.
Das Zaunprojekt nimmt Formen an
Vor dem Einzäunen sollte man das Grundstück ausmessen. Als Abstand zwischen den Weidepfählen sind vier bis fünf Meter einzurechnen. Auch der Weidezugang sollte gut überlegt sein. Eventuell ist sogar ein weiterer Zugang nötig, falls man die Weide aufteilen möchte. Am besten wendet man sich hier an ein Fachgeschäft und lässt sich beraten.
Werden Einzelweiden geplant, hilft eine sinnvolle Einteilung, Arbeitszeit einzusparen, um die Pferde auf die Weide und wieder in den Stall zu führen. Keilförmige Weiden, bei denen alle Zugänge zusammenlaufen, ermöglichen beispielsweise kurze Wege.
Wir haben nun einen Plan, wie der Hag stehen soll, wissen, wie hoch er sein muss, haben – falls nötig – eine Bewilligung und das gesamte Zaunmaterial vom Fachgeschäft.
Worauf sollte man noch achten? Hier einige Tipps:
Querlatten oder Elektrobänder und -kordeln werden immer innen montiert.
Zaunpfähle sollten zu einem Drittel im Boden stecken.
Gibt es Erhöhungen auf der Weide, müssen die Pfosten entsprechend geplant werden, damit die erforderliche Zaunhöhe eingehalten werden kann.
Die unterste Querlatte so tief wie möglich setzen, damit keine freilaufenden Hunde zu den Pferden gelangen können.
Auch feste Holzzäune empfiehlt es sich, zusätzlich mit Strom auszustatten.
Ein Elektro-Weidezaun sollte mit einer Spannung von mindestens 2500 Volt versorgt werden; erst dann spüren Pferde einen deutlichen Stromschlag.
Isolatoren müssen komplett in die Pfosten eingeschraubt werden. Ihre Aufgabe ist es, die Spannung auf den Elektrobändern zu halten. Beschädigte Isolatoren sollte man austauschen.
Elektrobänder gehören in die Führung der Isolatoren und nicht darum gewickelt oder gar auf das Metall dahinter. Beim Umwickeln brechen einzelne Drähte und der Strom fliesst nicht mehr optimal weiter. Es gibt spezielle Verbinder, um eine sichere Verknüpfung zu gewährleisten.
Auf das Tor sollte man ein spezielles Augenmerk haben, denn es kann eine Schwachstelle bilden. Wird der Torgriff am Metall hinter dem Isolator eingehängt, geht Spannung verloren. Darum Torgriffe immer am Isolator einhängen. Hängt die Nachbarsweide am selben Stromkreis, muss jeder Weidezugang immer geschlossen sein, um den Stromfluss zu gewährleisten.
Es gibt mobile Zaunprüfer. Mit diesen Geräten kann man feststellen, ob der Strom richtig fliesst. Kaum jemand möchte den Zaun durch Berühren prüfen.
Schilder, die auf einen Elektrozaun hinweisen oder «Füttern verboten» anzeigen, sind nie verkehrt.

Für Weiden, die nicht in Hofnähe sind, gibt es Systeme, die bei einem Spannungsverlust Alarm auslösen und direkt aufs Handy weiterleiten. Eine abschreckende Wirkung auf unerwünschten Zutritt haben Videoüberwachungen oder nachts Scheinwerfer mit Bewegungsmeldern.
Ab auf die Wiese
Vor dem ersten richtigen Weidegang nach der Winterpause sollte man immer daran denken, die Pferde früh genug und in langsamen Schritten an das frische Gras zu gewöhnen. Das sukzessive Anweiden geschieht über zwei bis vier Wochen und beugt einem Eiweissüberschuss vor, der den Stoffwechsel der Pferde stark belastet. Durchfall, Koliken oder gar Hufrehe können die Folge sein.
Als Grundsatz gilt: In der ersten Woche täglich 10 bis 15 Minuten auf die Weide am Führstrick. In der zweiten Woche bis zu 30 Minuten an der Hand weiden lassen und in der dritten Woche etwa eine Stunde täglichen Weidegang – danach kontinuierlich steigern.




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