Transport von Pferden: Wenn einer eine Reise tut

Wenn die Sprünge höher werden und die Dressurlektionen schwieriger, dann stellt sich bald einmal die Frage, ob man als ambitionierter Sportler nicht auch mal im Ausland an einem Wettkampf starten möchte. Der Transport zieht sich in die Länge. Für das Wohl des Pferdes muss der bedachte Reiter und Pferdebesitzer nun einiges beachten. Die Veterinärkommission sowie die Disziplin- und Equipentierärzte des Schweizerischen Verbands für Pferdesport empfehlen, sich gerade auf längere Reisen optimal vorzubereiten.

Was bis zum Moment, wo man das erste Mal geografisch weiter weg an den Start gehen will, total normal und eingespielt war, wird nun grundlegend anders. Fragen kommen auf bezüglich Fahrzeit, Zollpapieren, Erholungszeit zwischen Ankunft und Wettkampf und vielem mehr. Um nicht plötzlich auf Probleme zu stossen, die hätten vermieden werden können, lohnt sich eine pingelig genaue, um nicht zu sagen minutiöse Planung.

Papierkram dabei und à jour haben
Der Reiter tut gut daran, als Erstes den Pferdepass bezüglich FEI-Ablaufdatum, Besitzer­unterschrift und Impfungen zu kontrollieren. Weiter benötigt er ein abgestempeltes EU-Gesundheitszeugnis, welches individuell beim Exportkontrolltierarzt eingeholt werden muss. Je nachdem, in welches Land man fahren will, muss man unbedingt auf dem Laufenden sein, was die veterinärmedizinischen Vorschriften des entsprechenden Landes betrifft. Zum Beispiel muss für die Reise nach Rumänien, Tschechien und Ungarn ein aktueller Cogginstest vorliegen. Um Irrfahrten zu vermeiden, lohnt es sich, die genaue Adresse abzuklären und ein Navigationssystem mitzuführen.

Damit bei der Ausreise aus der Schweiz und der anschliessenden Einreise in die EU am Zoll keine Unannehmlichkeiten entstehen, muss man unbedingt ein bereits eröffnetes Carnet ATA für den temporären Export dabei haben und dieses korrekt abstempeln lassen. Sofern das Carnet ATA nicht auf den Fahrer ausgestellt ist, braucht es eine Vollmachterklärung, falls der Besitzer des Carnet ATA nicht selber mitreist.

Veterinärmedizinisch optimal vorbereitet
Ein weiterer sehr wichtiger Punkt sind die Impfungen: Die letzte Influenzaimpfung darf nicht älter als sechs Monate (und 21 Tage) sein und das Pferd muss gemäss den FEI-Vorschriften geimpft sein. Damit ist nun auch eine dreifache Grundimmunisierung erforderlich. Die Veterinärkommission sowie Disziplin- und Equipentierärzte des SVPS empfehlen weiter folgende Punkte:

  • Regelmässige Entwurmungen gegen Rund- und Bandwürmer.
  • Kontrolle und Korrektur der Zähne innerhalb der letzten sechs Monate vor der Prüfung.
  • Hufbeschlag innert zwei bis vier Wochen vor der Prüfung und eventuell auch Reserveeisen mitnehmen.

Je nach klimatischen Bedingungen lohnt es sich, das Pferd kurz vor der Abreise zu scheren. Allgemein, aber insbesondere in den letzten Wochen vor der Reise, soll Übertraining unbedingt vermieden werden. In den letzten zwei Tagen vor der Abreise soll dem Pferd auch keine strenge Arbeit mehr zugemutet werden. Um immer über den Gesundheitszustand seines Pferdes Bescheid zu wissen, ist es sehr empfohlen, regelmässig seine Rektaltemperatur zu messen: zwei Tage vor der Reise, täglich während der Reise und dem Wettkampf und dann bis zwei Tage nach der Reise. Weiter müssen die FEI-Behandlungsjournale ausgefüllt und nachgetragen sein. Zur Fütterung eignet sich am Vortag und während des Transports Mash, eventuell können ab dem Tag vor dem Transport zusätzlich Elektrolyte verabreicht werden.

Nichts dem Zufall überlassen
Auf der Reise muss man auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Daher sollte man folgendes Material leicht zugänglich verpackt haben: Reservehalfter, zwei Anbindestricke, Zaumzeug und evtl. Longiermaterial. Das Heu sollte von bestmöglicher Qualität sein und während der ganzen Reise angefeuchtet werden. Kraftfutter und Elektrolyte sollten in Portionen abgepackt und mit direkter Zumischung von Zusatzfuttern griffbereit sein. Pro Pferd lohnt es sich drei breite Kessel mitzunehmen, ein Heunetz, genügend Decken, Bandagen, Transportgamaschen sowie einen Schweifschutz. Selbstverständlich sind während der Fahrt auch die ganzen Papiere wie Pferdepass, Gesundheitspapiere, Carnet ATA und wichtige Telefonnummern immer zur Hand.

Nachts fahren
Ein Pferdetransport will geplant sein. Die Route und die Zwischenstallungen sollten dem Fahrer bekannt sein. Die beste Reisezeit ist entweder nachts oder frühmorgens. Zu dieser Zeit ist in der Regel eine angenehmeres Klima und weniger Verkehr zu erwarten. Die optimale Reisetemperatur für Pferde liegt bei 14 bis 17 Grad Celsius. Man sollte im Transporter für eine optimale Luftqualität sorgen. Alle vier Stunden ist ein Halt von einer halben Stunde vorzusehen, damit sich die Pferde kurz von den Fahrbewegungen erholen und in Ruhe fressen und trinken können.

Kontrolle ist besser
Muss man unterwegs einstallen in Zwischenstallungen, so lohnt es sich, die Boxe auf Sauberkeit zu kontrollieren und Futterkrippen und Tränkebecken abzudecken. Dies gilt auch für die Boxe am Prüfungsort. Nur so kann ein «fahrlässiges Doping» vermieden werden. Das Pferd soll nach Belieben Wasser trinken können; am besten stellt man gleich mehrere Eimer in die Boxe. Kraftfutter gibt man am besten nur in halben Rationen, wobei Heu nach Belieben gegeben werden kann.

In der Nacht sollte man das Pferd je nach Klima und Gewohnheit adäquat gut eindecken. Der Pfleger oder Reiter beobachtet und kontrolliert verschiedene Parameter des Pferdes regelmässig: Temperatur, Puls, Atmung und Wasser- sowie Futteraufnahme. Man kann das Pferd leicht bewegen, führen, massieren, grasen lassen und eventuell auch locker reiten. Das Gleiche gilt auch am ersten Tag bei der Ankunft am Prüfungsort. Am zweiten Tag nach der Ankunft kann die normale Wettkampfvorbereitung durchgeführt werden.

Quelle: SVPS von Nicole Basieux

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