Filmtipp: The Rider – Bildgewaltiger Neo-Western

Brady Blackburn lebt als Rodeo Reiter in den amerikanischen Heartlands, genauer gesagt in Pine Ridge, South Dakota. Er erholt sich bloss mühsam von einer lebensgefährlichen Kopfverletzung, die er sich beim Rodeo zugezogen hat. Sein bester Freund Lane ist seit einem Sturz vom Pferd querschnittsgelähmt. Am glücklichsten sind sie beide, wenn sie sich gemeinsam die Videos ihrer früheren Auftritte und Triumphe ansehen. Für Brady stellt sich die existentielle Frage: Wie weiter? Nur langsam findet der junge Cowboy wieder aufs Pferd, zu seinem Beruf und auch zu einer gewissen Normalität in seinem Leben zurück.

Chloé Zhaos zweiter Spielfilm nimmt seine Zuschauer mit auf eine sensible Reise in das mythische Milieu des Westerns, das man jedoch mit derartiger Authentizität und emotional ergreifender Wucht im Kino noch selten erleben durfte.

Cineworx.ch

Besetzung: Brady Jandreau, Cat Clifford, Lane Scott, Lilly Jandreau, Tim Jandreau
Drehbuch: Chloé Zhao
Kamera: Joshua James Richards
Schnitt: Alex O’Flinn
Musik: Nathan Halpern
Ton: Paul Knox, Ben Gieschen
Genre: Drama, Spielfilm 
Land: USA 2017 
Laufzeit: 104 Minuten
Verfügbare Formate: DCP
Sprache: Englisch

Kinostart

Deutschschweiz: 5.7.2018
Westschweiz: 25.4.2018
Preise
Quinzaine des Réalisateurs 2017, C.I.C.A.E./Art Cinema Award

THE RIDER de Chloé Zhao – Dès le 25 avril en salles en Suisse romande! from cineworx gmbh on Vimeo.

Der authentische Stil der in China, Großbritannien und den USA aufgewachsenen Chloé Zhao ist bereits nach nur zwei Langfilmen absolut unverkennbar. Wie schon in ihrem gefeierten Debüt „Songs My Brothers Taught Me“ über zwei Sioux-Geschwister im Indianerreservat Pine Ridge in South Dakota hat sich die Filmemacherin nun auch für ihren ebenso einfühlsamen wie bildgewaltigen Neo-Western „The Rider“ wieder Laiendarsteller gesucht, die vor der Kamera mehr oder weniger ihre eigene Geschichte nachspielen. Gestoßen ist sie dabei noch während der Dreharbeiten zu „Songs My Brothers Taught Me“ auf den jungen Pferdeflüsterer und ehemaligen Rodeo-Champion Brady Jandreau – der ist nicht nur ein indianischer Cowboy, was natürlich zunächst einmal wie ein ziemlicher Widerspruch anmutet, sondern sollte seit einem schweren Sturz eigentlich gar nicht mehr selbst aufs Pferd steigen (vom Rodeoreiten mal ganz zu schweigen). „The Rider“ handelt davon, wie man(n) sich in einer von klassischen männlichen Werten dominierten Gesellschaft behaupten kann, selbst wenn man(n) selbst aufgrund der äußeren Umstände nicht länger an den traditionellen Männlichkeitsritualen teilnehmen kann.

Nach einem beinahe tödlichen Reitunfall, bei dem er einen Tritt gegen den Kopf abbekommen hat, muss der angehende Rodeo-Star Brady Blackburn (Brady Jandreau) nicht nur mit einer Metallplatte in seinem Schädel klarkommen, er soll sich nach dem Willen seiner Ärzte fortan möglichst auch vom Rücken der Pferde fernhalten. Für Brady kommt die Diagnose zunächst einem Todesurteil gleich – immerhin definiert ihn nicht nur seine Umwelt, sondern auch er selbst sich vornehmlich über seine Leistung in der Arena. Ein Selbstmord kommt für ihn nur deshalb nicht in Frage, weil Brady seinen alleinerziehenden Vater Willy (Bradys realer Vater Tim Jandreau), seine an einer geistigen Behinderung leidende kleine Schwester Lilly (Bradys reale Schwester Lilly Jandreau) und seinen nach einem Rodeo-Unfall schwerstbehinderten guten Freund Lane Scott (der reale Bullenreiter Lane Scott sitzt seit einem Autounfall im Rollstuhl) nicht im Stich lassen will. Während er sich für seinen Job als Zureiter aufs Pferd quält und immer wieder mit dem Gedanken spielt, entgegen aller Ratschläge doch noch einmal in die Rodeo-Arena zurückzukehren, sucht Brady nach neuen Wegen, ohne den Applaus der Fans und die Bewunderung seiner Cowboy-Kumpels mit sich ins Reine zu kommen…

Ich will unseren Jungs sagen, dass es okay ist, verletzlich zu sein, dass sie nicht sein müssen wie die toughen Gewinnertypen, die man sonst im Kino sieht. Ich möchte unseren Söhnen sagen, dass sie ruhig geplatzte Träume haben können, aber wahre Helden diejenigen sind, die trotzdem weiterträumen.
– Chloé Zhao in einem Interview zu „The Rider“
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