Die Themen im April WESTERNER

Titelfoto by Andrea Bonaga

Horsemanship

Kreative Lösungswege mittels Feingefühl, Psychologie und gutem Timing
Martin Black – Horseman aus Idaho war für eine Clinic in der Schweiz

Was macht einen guten Horseman aus? Wissen, Erfahrung, Gefühl und das richtige Timing. All diese Eigenschaften, plus die Gabe, ein Problem richtig zu deuten um der Ursache auf den Grund zu gehen, gepaart mit Leidenschaft für die Pferde und ihre Menschen, das Ganze gewürzt mit einer Prise Humor – das ist grob umschrieben Martin Black, Horseman aus Idaho. Anfang März war er für eine Clinic zu Gast in der Schweiz und der WESTERNER durfte in Dielsdorf reinschnuppern. 

Die Teilnehmer der ausgebuchten Martin Black-Clinic in Dielsdorf waren bunt zusammengesetzt. Ob Fortgeschritten oder eher Anfänger, ob junge oder ältere Pferde egal welcher Rassen, ob Englisch- oder Westernsattel – für alle waren diese drei Kurstage eine Bereicherung. «Ich habe noch nie in so kurzer Zeit so viel gelernt», bedankte sich ein Teilnehmer, der sogar aus Österreich angereist war. Kein Wunder, Martin Black hat Zugriff auf einen immensen Erfahrungsschatz. Dieses grosse Wissen eignete er sich nicht nur an, sondern wurde ihm praktisch mit in die Wiege gelegt. Als Sohn eines Rancher-Ehepaars, aufgewachsen auf deren Betrieb mit rund 1500 Rindern, lernte er bereits früh mit Rindern und Pferden umzugehen.Bereits vor seinen Teenagerjahren startete er regelmässig Jungpferde. Später arbeitete Martin auf anderen Betrieben in Nevada, aber auch in Kalifornien. Er kam auf diese Weise mit den guten alten «Bridle Horsemen» wie Ray Hunt, Melvin Jones, Gene Lewis, Tom Dorrance oder Tom Marvel in Kontakt und arbeitete mit ihnen.

Training

Reining Training mit Annika Riggenbach
Im Kreis geradeaus

Willingly guided – Sich willig und mit wenig oder keinem Widerstand führen zu lassen, dann wird von einem gut ausgebildeten und gerittenen Reiningpferd gesprochen. In einer Reiningprüfung soll möglichst wenig Hilfestellung sichtbar sein und gerade auf den Zirkeln, einem vermeintlich einfachen Manöver, will der Richter sehen, dass sich das Pferd einfach kontrollieren lässt. Oft beruht die Qualität eines Manövers auf einer Symbiose von mehreren Elementen, welche korrekt trainiert werden müssen, so auch jene der Spins. WESTERNER hat Annika Riggenbach beim Training besucht und diese zwei Manöver näher unter die Lupe genommen.

Bei den Zirkeln ist es wichtig, dass das Pferd nicht einfach der Wand entlangläuft und sich an dieser orientiert, sondern sich ausbalanciert zwischen Beinen und Züge und dabei auf die kleinsten Hilfen achtet. Deshalb reite ich oft mit gut ein bis zwei Metern Abstand zur Wand und baue auch mal Mittelzirkel ins Training ein. Damit der Zirkel rund und der Abstand zur Wand konstant bleibt sollte der Reiter immer den Punkt X in der Mitte der Halle im Auge behalten und die symmetrischen Punkte avisieren. Dabei sollte sein Fokus mindestens ¼ des Zirkels voraus betragen, so ist ihm jederzeit bewusst wo er sich gerade befindet. Auf einem Zirkel kann es jedoch auch gerade Phasen geben, nämlich in der Mitte, dann wenn es gilt auf X anzuhalten oder einen Galoppwechsel zu machen. Deshalb stelle ich mir die Zirkel als grosses D vor und reite in der Mitte zwei bis vier Galoppsprünge, abhängig von der Zirkelgrösse und dem Tempo, gerade aus. Diese Vorgehensweise vereinfacht es meinem Pferd sauber und gerade anzuhalten oder auf gerader Linie zu wechseln ohne über die Schulter zu kippen.

Sport

Versatility Ranch Horse Disziplinen
Die Ur-Idee des Westernreitens lebt wieder auf

Die Versatility Ranch Horse Klassen gibt es schon ein ganzes Weilchen. Es war 2002 als die AQHA auf die Nachfrage von Ranchern reagierte, die nach Alternativen zu den üblichen AQHA Klassen fragten.

Eine Task Force bestehend aus Ranchern, Turnierreitern, Richtern und Repräsentanten von Ranch Horse Organisationen, setzten sich damals zusammen und kreierten die AQHA Versatility Ranch Horse Klassen.  Während sich in Deutschland die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitete und bereits 2003 erste Kurse und sogar ein Ranch Horse-Turnier stattfanden, nahm man es in der Schweiz eher gelassen auf. AQHA Versatility Klassen wurden keine in die Turnierprogramme aufgenommen, man sah auch keinen Markt für diese Disziplinen. Die Westernturnierszene war damals bereits im Begriff sich zu wandeln. Zum einen entstanden die diversen Spezialisierungen in Reining, Cutting, Working Cowhorse, Hunter, Pleasure ect., zum anderen konnten sich einige Turnierreiter einfach nicht mehr mit der Szene wie sie sich entwickelte, identifizieren. Die Entgleisung der Trainingsmethoden auf der einen, die immer auffälligeren Outfits auf der anderen Seite, war nicht mehr ihre Welt. Man sehnte sich nach dem Ursprung, nach Echtheit und dem Grundgedanken des Westernreitens und der Pferdeausbildung.

Ausbildung

(Nichts) Neues in der Pferdeausbildung
Cowboy Dressage

Unsere Reitweise, das Westernreiten, beruht auf der Arbeit des Cowboys auf einer Ranch, abgeleitet von der Arbeitsreitweise der Vaqueros. Das heisst der Cowboy/Vaquero braucht ein Pferd, welches auf langen Distanzen angenehm weich zu sitzen ist (Pleasure) oder mit agiler Vor- und Hinterhand Rinder separieren, stoppen, halten kann (Reining). Dabei denkt der Cowboy bei der Ausbildung seines Pferdes sicher nicht an klassische Dressurübungen, sondern machte das was er gerade für den Alltag braucht; ein weiches rittiges Pferd mit leichter Vorhand und beweglicher Hinterhand. Dies bedingt allerdings ein gymnastiziertes Pferd. Da der Freizeit- und Turnierreiter oder die Reiterin ganz andere Bedingungen antreffen als der Cowboy auf seiner Ranch, braucht es auch andere reiterliche Massnahmen um eben dieses leichte wendige Pferd zu bekommen und zu erhalten. Cowboy Dressage ist ein Weg dazu.

Cowboy Dressage ist eine Kombination aus dem besten der beiden Pferdewelten. Die der klassischen Dressur und der Gebrauchsreiterei der Cowboys. Es ist jedoch keinesfalls nur das Reiten von klassischen Dressurlektionen im Westernoutfit, was man in der sogenannten «Western Dressage» vorfindet. Dort wird sogar nach den Dressurvorlagen des amerikanischen Dressurverbandes gerichtet. Die zweihändige Reitweise und die anstehende Zügelverbindung mit entsprechender Aufrichtung sind Elemente der Western Dressage. Der Leitgedanke der Cowoy Dressage ist das sogenannte «soft feel».

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