Das war die World Show 2014

Die zweijährigen im Pleasure

Bereits gehört die diesjährige World Show der Vergangenheit an. Während zwei Wochen wurde in Oklahoma intensiver Westernreitsport geboten im ganzen Spektrum der vielen Disziplinen. Darunter, speziell in der ersten Woche wo die Amateure am Start standen, einige Disziplinen die bei uns nicht oder nicht mehr gezeigt werden, wie Barrel Racing oder Pole Bending.

Erfreut konnten wir zur Kenntnis nehmen, dass unter den traditionell sehr wenigen nicht amerikanischen Flaggen das Schweizer Hoheitszeichen auszumachen war. Die einzige Schweizer Teilnehmerin war Jasmina Hunziker. Sie hat sich an den SQHA Turnieren für das Ranch Pleasure qualifiziert. Die Teilnahme kam dann ziemlich spontan zu Stande. Jasmina verbringt die Zeit zwischen Matura und Beginn Studium in den USA bei diversen Trainern. Dabei konnte sie ihre Praxis in der bei uns noch jungen Disziplin vertiefen und als sich Gelegenheit bot ein Ranch Pleasure Pferd leasen zu können, ergriff sie die einmalige Chance beim Schopf. Die Disziplin boomt in den USA und mittlerweile gibt es einige Cracks auch bei den Amateuren. Jasmina schaffte es nicht ganz in den Final zeigte aber eine beachtliche Leistung. Um die hundert Teilnehmer zählten die Klassen bei Amateuren und Open Reitern. Im Gegensatz dazu sind die traditionellen Pleasure Klassen zahlenmässig weiter zurück gegangen. Wobei die beiden Disziplnen natürlich nicht vergleichbar sind und Pleasure ganz anders umsetzen. Damit hatten auch einige Reiter noch Mühe und es waren denn doch einige kuriose Bilder zu sehen wo man hie und da den Eindruck hatte das Pferd bestimme die Gangart und nicht der Reiter.

Auch Cracks schreiten Trail konzentriert ab. World Champion Senior Trail Michael Colvin rechts

Auch Cracks schreiten Trail konzentriert ab. World Champion Senior Trail Michael Colvin rechts

Gute Organisation – guter Sport
Äusserst beliebt sind neben den Ranch Horse Klassen weiterhin Trail, Ropin und Cutting mit riesigen Teilnehmerzahlen während andere Klassen inklusive Halter zahlenmässig kleiner waren als in den vergangenen Jahren. Letztere allerdings immer noch mit den grössten Zuschauerzahlen. Für die Vorläufe wurden zwei Hallen benutzt. Es waren deutlich weniger Boxen belegt als früher und populäre Finalläufe wie Trail, Westernriding und Pleasure fanden bereits am Nachmittag statt. Auffallend war, dass einige ehemalige Spitzenpferde die in den letzten Jahren die Medaillenränge jeweils unter sich ausmachten nicht mehr dabei sind. Einige neue Pferdenamen liessen ob ihrer Leistung aufhorchen und werden die Szene in den nächsten Jahren beeinflussen. Darunter auch diverse Oldtimer gegen zwanzig. Die bekannten Reiter hingegen sind geblieben. Bruce Vickery legte mit seinem Traum-Trail einen neuen World Punkterekord hin im Junior. Er würde übrigens gerne einmal in die Schweiz kommen für eine Clinic. Im Senior Trail musste er dann den Sieg Michael Colvin überlassen. Scheinbar unspektakulär in seiner ruhigen und besonnenen Art absolvierte er den schwierigen Parcours fehlerfrei und ohne Tics. Vielen anderen wurde bereits im Vorlauf das viele Grünzeug im interessanten und anspruchsvollen Pattern von Tim Kamura zum Verhängnis und diverse Pferde scheuten oder verweigerten Hindernisse. Eine Augenweide waren die Western Ridings. Mit einer unglaublichen Präzision und Leichtigkeit wechselten die Pferde auf den Punkt. Auch da standen die Cracks wie Jason Martin, Charlie Cole, Michael Colvin, Bruce Vickery oder das Ehepaar Green im Rampenlicht. Rusty Green war dann auch im Pleasure wieder zuvorderst. Dort scheint sich etwas leicht verbessert zu haben was Kopfhaltung und Gänge anbelangt. Allerdings sind die Medizinalkisten immer noch gut gefüllt und würden europäischen Dopingkontrollen nicht standhalten. Immerhin erschienen diverse Pferde nicht zum Start, bei den zweijährigen fast die Hälfte, und es wurden tatsächlich einige wegen Lahmheit aus der Klasse genommen. Die zweijährigen Pleasure Pferde waren eigentlich eine Augenweide aber entsprechen natürlich nicht unserem Verständnis von Trainingsbeginn und Methode.

Mässiges Interesse
Die Zuschauerzahlen hielten sich sehr in Grenzen und auch Europäische wie Schweizer Besucher waren deutlich weniger auszumachen. Das zeigte sich auch an der International Reception, dem Apero für internationale AQHA Mitglieder, wo das reichhaltige Buffet am Schluss halb voll blieb wo es in den Vorjahren rasch leer war. Auffallend und wohl auch ein Zeichen der laufenden Reorgansisation von AQHA war das weitgehende nicht in Erscheinung treten des Topmanagments und der bis Frühjahr noch aktive Geschäftsführer war wohl anwesend aber trat praktisch nicht in Erscheinung. Der Horse Sale lockte ebenfalls deutlich weniger nach Oklahoma und in den beiden Verkaufshallen wurde sichtlich weniger angeboten. Leere Verkaufsflächen und viele Platz beanspruchende Trailer schonten das Portemonnaie. Anbieter wie Blue Ribbon oder Woods Showkleider blieben treue Aussteller wobei der Seniorchef Verne von Blue Ribbon sportlich ganz schön mitmischte im Amateur Halter. Ausserhalb hatten Läden wie Shepple oder Tanners Hochbetrieb. Am Abend war wie immer Hochbetrieb in der Cisham Bar und Music Hall im Biltmore Hotel oder am Wochenende im Cowboy OCL wo man zwischen Tanzbühne und Rodeo Arena mit Bullriding (lebendige natürlich) pendeln kann.
Die World ist die weltweit wohl attraktivste Show für Westernreiten und für Freunde des Quarter Horses. Die Klassen sind dank der notwendigen Qualifikation überschaubar und hochstehend. Es bietet sich die Möglichkeit Top Pferdeleute hautnah zu erleben und mit ihnen unkompliziert ins Gespräch zu kommen und viele Gleichgesinnte zu treffen.

Markus Müller

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