Das ist der April WESTERNER

Western People

Für die Interview-Stafette zu Besuch bei Corinne und Marcel Schnetzler im Ausbildungs- und Therapiezentrum «Das Pferd»
Mit siebzehn ein eigenes Pferd unter der väterlichen Bedingung, den Stall selber zu bauen und auch die Baueingabe bei der Gemeinde alleine zu machen.

Der Weg führte mich für dieses Interview zu Corinne und Marcel Schnetzler nach Schmiedrued im Ruedertal das im Süden des Kantons Aargau liegt und an den Kanton Luzern grenzt. Im Talkessel liegt das Ausbildungs- und Therapiezentrum «Das Pferd», Heimat von 19 Pferden, 4 Hunden und natürlich den Schnetzlers. «Zur Zeit ist alles im Umbruch. Viele neue Ideen und Visionen werden gerade realisiert», erklärte mir Marcel nach der Begrüssung und einer Tasse Kaffee im Garten. In der Tat ist die gesamte Anlage im fortgeschrittenen Stadium des Neubaus. Bereits der erste Eindruck liess ein interessantes Konzept durchblicken und ich war schon sehr gespannt auf die Führung.

Ihr seid mitten oder schon fast gegen Ende von Bauarbeiten, was entsteht Schönes bei euch?

«Wir erfüllen uns gerade einen Traum und bauen einen Aktivstall für maximal 25 Pferde. Der Startschuss zum Rück- beziehungsweise Neubau der gesamten Infrastruktur erfolgte im August 2016. Langsam nimmt das Ganze Formen an, obschon noch sehr viel zu tun ist. Es ist schon eine logistische Herausforderung 19 Pferde während eines Bauprojekts provisorisch so unterzubringen, dass der Betrieb weitergeführt werden kann. Unser Stallkonzepts von vorher, das war eine Art Stall-Dorf wo die mobilen Stall-Häuschen in einem Halbkreis angelegt waren, kam uns nun zugute. Wir konnten die Ställe so verschieben, dass die Bauarbeiten ungehindert vonstatten gehen konnten.»  von Andrea Fischer

Fütterung

Heunetze, Porta-Grazer, HayPlayBag, computergesteuerte Heudosierer, oder doch das Heu einfach am Boden verfüttern?
Individuelle Lösungen für die Heu-Fütterung und die Erfahrungen der Stallbetreiber

Heu ist das wichtigste Raufutter für Pferde und damit auch die Basis zu einer gesunden Ernährung der Pferde. Unbestritten ist auch die Tatsache, dass nur einwandfreies Heu in bedarfsgerechten Mengen gefüttert werden soll. Aber bei der Handhabung der Fütterung gibt es zahlreiche Varianten. WESTERNER hat sich in einigen Ställen umgesehen und zeigt ein paar Möglichkeiten auf.

Auf der Reitanlage Chipf in Dürrenroth sind Paul und Andrea Rindlisbacher für die Fütterung zuständig. Dreimal täglich bekommen die Pferde ihr Heu und zwar am Boden. «Den grössten Vorteil sehen wir in der natürlichen Haltung des Pferdes, wenn es das Futter vom Boden aufnimmt und zudem ist diese Fütterungsart arbeitssparend», erklärt Andrea Rindlisbacher, welche 14 bis 18 Pferde betreut, vorwiegend Quarter, Paint und Appaloosa, nebst Freibergern, Warmblütern und Haflingern. Die Pferde werden in der Freizeit oder an Turnieren geritten und bekommen ungefähr 8 bis 12 kg (nicht abgewogen) Heu pro Tag, je nach Bedarf und Jahreszeit. Dieses wird hauptsächlich aus Eigenanbau gewonnen und wenn es zuwenig ist, durch Zukauf von umliegenden Bauern ergänzt. So wissen Rindlisbachers genau über die Qualität des Raufutters Bescheid. «Ein Nachteil dieser Fütterungsart ist wohl der Verschleiss des Heus, da einige Pferde es unter Umständen in der Boxe verteilen. Aber wir haben durchwegs gute Erfahrungen gemacht und bleiben bei der direkten Fütterung vom Boden», meint Andrea Rindlisbacher. Dadurch ist auch kein zusätzliches Verletzungsrisiko vorhanden, weil keinerlei Hilfsmittel eingesetzt werden, an denen sich ein Pferd verletzen kann. von Karin Rohrer

Sport

Mal wieder in den Englischsattel steigen? Wissenswertes zu Hunter Under Saddle und Hunt Seat Equitation

Die Hunter Under Saddle, kurz HUS, ist eine Gruppenreitklasse die der traditionellen englischen Jagd angelehnt ist. Man will in dieser Klasse Pferde sehen, die fliessende, raumgreifende Gänge präsentieren. Die Pferde sollen eine gerade Oberlinie aufweisen, wobei die Nase leicht nach vorne gerichtet sein sollte. Es müssen nicht zwangsweise grosse Pferde sein, solange die Bewegungen und die Erscheinungen einem Hunter Pferd entsprechen. Sehr wichtig ist ausserdem, dass das Pferd sich gleichmässig präsentiert. In den USA sieht man viele Facetten von Prüfungen im Englischsattel. Die Hunter Under Saddle Prüfung wird als Basisklasse angeschaut, ähnlich der Western Pleasure Prüfung. Darauf aufbauend folgen dann die typischen weiteren Englischklassen, wie zum Beispiel Hunt Seat Equitation (wie die Western Horsemanship sind für diese Prüfung nur Youth und Amateure zugelassen), Hunter Hack, Equitation over Fences oder Pleasure Driving. Nach einer soliden Hunter Under Saddle Grundausbildung sind die Pferde meist bereit für die weiterführenden Prüfungen. In Europa beschränkt sich das Angebot in der Regel auf die Hunter Under Saddle und Hunt Seat Equitation. An vereinzelten Shows wird auch Hunter Hack angeboten. Mit dem Einführen solcher Klassen in Europa wollte man die Vielseitigkeit der Amerikanischen Pferde unterstreichen und dies zu Recht. Hierzulande macht es wenig Sinn ein explizites Hunter Pferd zu haben, es sei denn, man möchte an grossen internationalen Shows teilnehmen. von Elif Schleiniger

Medizin

Akute Hufrehe, der Supergau eines jeden Pferdes und immer ein Notfall! Besuch der Station für hufkranke Pferde

Akute Hufrehe (Laminitis) ist eine Entzündung der Huflederhaut wobei sich die Hufkapsel von der Lederhaut löst. Infolge einer Störung der Mikrozirkulation in der Blutzufuhr im Bereich der Huflederhaut, wird deren Struktur derart geschwächt, dass das Hufbein seinen Halt innerhalb der Hornkapsel verlieren kann. Das Hufbein rotiert nach unten (Hufbeinabsenkung/Hufbeinrotation). Akute Hufrehe ist äusserst schmerzhaft, die betroffenen Pferde können kaum stehen und schon gar nicht gehen. Die Medizin unterscheidet unter Fütterungsrehe, Belastungsrehe, Geburtsrehe, Vergiftungsrehe (Blutvergiftung, Zeckenbiss, Zuckerüberschuss) oder einer Medikamentenrehe. Die Ursachen und Auslöser sind vielschichtig und reichen von einer zu grossen Menge an frischem, nährstoffreichen Gras, Verabreichung grosser Mengen Kraftfutter und Brot (Plünderung der Futterkammer durch das Pferd), Nichtabgehen der Nachgeburt bei Stuten, Komplikationen nach einer Kolik, Beschlagfehler, Verdauungsprobleme infolge Stress, Stoffwechselerkrankungen, bis zum Tränken erhitzter Pferde mit grossen Mengen eiskalten Wassers.

Entgegen der früheren Meinung, dass Eiweiss eine Hufrehe auslöst, weiss man heute, dass bestimmte Kohlenhydrate (Zucker, Stärke, Fruktan) dafür verantwortlich sind. «Immer im Spätherbst und im Frühling ist Hufrehe-Zeit. Da haben wir die meisten Notfälle,» sagt Linda Bönzli vom Barhufteam. Linda, Eva und Ruedi Bönzli betreiben in Bösingen eine Station für hufkranke Pferde. In Spitzenzeiten betreuen sie bis zu sechzig Hufpatienten und helfen ihnen buchstäblich wieder auf die Beine. Sie sind die Pioniere der Kryotherapie in der Schweiz und sind für viele, an Hufrehe erkrankten Pferde und Ponies, die letzte Rettung. von Andrea Fischer

Weitere Themen im April

  • Youth – Das SWRA Jugendförderprogramm, Interview mit Nicole Schmid
  • Sport – TT = Turniertrottel? Im Gegenteil, was der Reiter nicht im Kopf hat …
  • Sport – Pferde auf Achse. Was es für einen Grenzübertritt zu beachten gilt
  • Buchtipp – «Willensstark durchs Leben» von Christian Volker Liersch
  • Events – Vorschau auf die BEA/PFERD, den  Mylers Bitkurs und die Chaotic Horseshow

Viel Spass beim Lesen des April WESTERNERS

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